Eine illustre Runde von (mehr oder weniger ernsthaften) Weinfreaks traf sich am 4.8. des Abends im beliebten "Propeller", um die lang ersehnte Verkostung der meist bei ebay ersteigerten "Alt"-Rieslinge zu zelebrieren. Die Begeisterung kannte kein Ende und hält noch an.... ;-)

Als Pegelwein diente ein HIRSCH Riesling Heiligenstein 2004 - und dann ging´s munter los:

Wertung Wein / JahrgangRiedenbeschreibung
(aus Rudolf Lantschbauers Buch "Wachau", erschienen im Vinothek-Verlag. Man möge ihm sein Deutsch verzeihen!)
1.1990
HIRTZBERGER
Riesling Smaragd Singerriedel

Spitz / Wachau

Nach ausreichender Belüftung wie ein frischer Fisch aus dem kalten Bergsee - plus erstklassiger Finesse und ständig zunehmendem Nuancenreichtum. KAUFEN!

Ried Singerriedel
Die 9,5 ha Weingartenterrassen der „Singerriedel” zählen zu den vier großen Lagen der Wachau, es ist aber auch eine der steilsten Terrassenlagen in dieser Region. Hier wachsen die Trauben für sehr strenge, aber überaus feine Rieslinge. Die nach Süden ausgerichteten Terrassen bestehen aus dem für diese Region typischen „Ranker”: Gneis, Glimmerschiefer und erzhältiges Gestein wechseln sich ab. Die Terrassen sind sehr schmal, zwischen einer und drei Rebzeilen, mit je 7 bis 8 Rebstöcken finden auf einem der „Böndl” platz. Die Reihen sind sehr eng ausgepflanzt, zwischen 1,20 und 1,60 Meter ist der Abstand zwischen den Reihen. Der Platz in den Terrassen ist kostbar, dafür sind die Stöcke dichter ausgepflanzt, zwischen 6.000 und 7.500 Reben/Hektar sind ausgepflanzt. Der „Singerriedel” wird ausschließlich in Handarbeit bearbeitet, Bodenbearbeitung, Pflanzenschutz und auch die Traubenernte. In den engen Reihen wird mit Motorhacken und Rückensprühgeräten gearbeitet, das für den Pflanzenschutz benötigte Wasser muß auf den Berg gebracht werden. Dafür wurde die Tröpfenberegnungsanlage so in die Weingartenarchitektur eingeplant und integriert, daß kein störendes Rohr sichtbar ist. Exzellente Rieslinge, Grüne Veltliner und kleine Mengen vom Neuburger werden hier kultiviert.
Weingartenbesitzer: Hirtzberger Franz (Riesling), Lechner Karl (Riesling, Neuburger), Gritsch Franz Josef (Grüner Veltliner), Grossinger Anton, Hofstätter Franz, Rixinger Friedrich (Grüner Veltliner, Riesling), Freie Weingärtner Wachau.
2.1990
F.X.PICHLER
Riesling Smaragd Dürnsteiner Kellerberg

Dürnstein, Wachau

Etwas gewöhnungsbedürftige Nase, dann etwas ölige Komponenten, starke Mineralik. Die sichere Hand des Winzers eindeutig erkennbar. Anfangs sehr druckvoll baut er unter Luft langsam ab, während Singerriedel zunimmt!

Der Kellerberg
Diese rund 26 Weingärtenterrassen (12 ha) zählen zu den besten Lagen der Wachau. Die sehr steilen Terrassen befinden sich auf dem nach Südosten ausgerichteten Hang, die Bodenstruktur besteht aus Gföhler Gneis und Schiefer-Verwitterungsböden. Die Farbe des Bodens ist hellgrau, die Bodenstruktur ist ähnlich der des Loibenberges, das Gestein ist stark aufgewittert und gibt den Wurzeln der Reben viele Mineralien frei. Die Bodenauflage ist geringer, karger als in allen anderen Weingärten. Die Grünen Veltliner vom Kellerberg zeichnen sich durch besondere Finesse aus. Berühmt sind auch die Rieslinge aus dieser Lage. „Am Kellerberg reifen die Trauben etwas später, hier ernten wir immer als letztes”, meint F. X. Pichler zum Reifezeitpunkt seiner Spitzenlage, „dafür sind die Weine aristokratischer, nicht zu oppulent, dicht, fein und zurückhaltend, durch den geringen Humusanteil im Boden auch immer sehr mineralisch.”
Weingartenbesitzer: Knoll Emmerich (Riesling), F. X. Pichler (Grüner Veltliner), Schmid) Franz (Riesling, Grüner Veltliner), Bäuerl Wolfgang (Grüner Veltliner, Riesling), Tegernseerhof-Franz Mittelbach (Grüner Veltliner), Freie Weingärtner Wachau.
3.1997
HIRSCH
Riesling Gaisberg

Kamptal

Unser erster "Alt-Hirsch", und dann eine so positive Überraschung. Zeigt jetzt das ganze Potential des etwas unterschätzten Gaisberges, hervorragende Mineralik und Länge. Schmeckt frischer als der 1999 aus demselben Haus! Kauft Hirsch - und wartet 10 Jahre....!!!

Die Lage Gaisberg (o-Text Weingut Hirsch)
Für manche "der kleine Bruder" des berühmten Heiligensteines, für uns einfach ein Weinberg mit großartigen Möglichkeiten. Der mit Braunerde bedeckte, verwitterte Glimmerschiefer ist ein geradezu perfekter Boden für einen mineralischen Riesling. Der kurz vor Strass gelegene Gaisberg ist der südöstlichste Ausläufer des Manhartsbergs, also noch im Verbund des Kristallin der böhmischen Masse. Unsere Rieslingpflanzen genießen die Lage an seiner Südflanke und danken es uns mit einem unverwechselbaren Wein, der mit seinem Bruder vom Heiligenstein jedenfalls mithalten kann.
Der Gaisberg eignet sich auch ganz ausgezeichnet für einen Riedenspaziergang. Die Aussichten auf das Donautal und das gegenüberliegende Stift Göttweig sind fantastisch.
 
Riesling Gaisberg
Vom Zöbinger Gaisberg. 35 Jahre alte Rebstöcke; mit Braunerde bedeckter, verwitterter Glimmerschiefer - ein großartiger Boden. Cremig, mit Biss. Feinstrukturiertes Bouquet aus Stein- und Zitrusfrüchten. Kraftvoll, aber beweglich. Nahe Mineralik, bis hin zu einem sehr, sehr langen Abgang.
Wunderbar zu weißem Fleisch, Obst. Es darf auch einmal Kaviar sein.
Mitte Oktober geerntet. Nach Ganztraubenpressung ohne Temperaturkontrolle
sowohl im Edelstahltank als auch im großen Holzfass ausgebaut.
Ruhezeit auf der Feinhefe bis Ende April. Julifüllung.
Verkauf ab September. 13% vol.
4.1990
KNOLL
Riesling Smaragd Schütt

Loiben, Wachau

Anfänglich nahezu gleichauf mit F.X. und Hirtzberger kommt der Schütt nicht so recht aus den Startlöchern und baut dann auch noch relativ schnell ab. Für manche eine erstklassige Lage muss er sich doch dem Kellerberg und dem Singerriedel, ja sogar dem Gaisberg geschlagen geben!

Ried Schütt
Die 5 ha Weingärten der Ried Schütt zählen zu den besten Lagen der Wachau. Die genaue Lage dieses Weingartens wurde erstmals in einer Urkunde des Urbars des Frauenklosters Dürnstein im Jahre 1289 „Das sind die weingarte di di vrowe dem chloster braht habent di ersten di vmb tyrnstain ligent. Des ersten den weingarte der das haizzet der schut vor dem mental de praht swes' chungut und swest Clar von Stain den pawen wir selb”, beschrieben.
Diese Lage bildet als Ausläufer des Menthalgrabens einen „Bachschüttkegel” an der Grenze zwischen Dürnstein und Loiben. Die Weingärten sind durch eine Straße in zwei Teilen unterteilt, im Westen liegt die „Dürnsteiner Schütt”, Erosionsschuttböden aus Verwitterungsgestein und Schwemmsand. Die Weingärten mit Grünem Veltliner und Riesling sind südwestlich ausgerichtet und verfügen über ein ausgeprägtes eigenständiges Kleinklima. Die kühlen Winde des Menthalgrabens sorgen für eine zusätzliche Abkühlung in der Nacht und sind so für die Ausprägung der Weine zuständig. Der Boden ist karg und steinig und spielt bei der Fruchtbildung eine große Rolle. Die Weine aus der Schütt sind sehr mineralisch, würzig und nuancenreich, mit vielen Facetten ausgestattet. Beim Riesling entsteht eine Kombination aus der Kraft des Loibenberges und der Finesse des Kellerbergs.
Weingartenbesitzer: Knoll Emmerich (Riesling, Grüner Veltliner), Wess Rainer (Grüner Veltliner, Riesling), Schwarz Johann (Grüner Veltliner, Riesling), Dinstlgut Loiben (Grüner Veltliner), Freie Weingärtner Wachau.
5.2000
HIRTZBERGER
Riesling Smaragd Singerriedel

Spitz, Wachau

Wie zu erwarten einwandfreie Qualität, aber etwas zu jung... ;-)

w.o.
6.1999
HIRSCH
Riesling Gaisberg

Kamptal

Leider dem älteren 1997er unterlegen zeigt er jetzt schon relativ starke Alterstöne. Muss wohl am Jahrgang oder an der Flasche liegen...

w.o.

 

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